Willkommen. Siebenhundertundeinundzwanzig Jahre habe ich geschwiegen, und heute komme ich endlich zu Wort.
Mein Name ist Wenzel, der Zweite meines Namens auf dem böhmischen Königsthron, der sechste böhmische König. Ich starb am einundzwanzigsten Juni dreizehnhundertfünf, mit dreiunddreißig Jahren, an Lungenfieber und Erschöpfung — an einer Krankheit, die Sie heute Tuberkulose nennen und die wir zu unserer Zeit noch nicht einmal benennen, geschweige denn heilen konnten.
Nach dem Tod meines Vaters Přemysl Otakar des Zweiten verwalteten fünf Jahre lang andere das Land für mich, weitere vierzehn Jahre herrschte ich als sein ungekrönter Erbe, und nur die letzten acht Jahre meines Lebens trug ich die Königskrone. Dann kam jener Juni und mit ihm eine Stille, die sieben Jahrhunderte andauerte. Und ich wartete beharrlich, was sich im Laufe dieser langen Jahre als die einzige königliche Tugend erwies, die ich mir bewahren konnte. Ich spreche jetzt nur, weil sich jemand erinnert hat — denn ohne Erinnerung hat ein Toter keine Stimme.
In der Mitte dieses Raumes liegt ein Sandsteinsarg, eine Leihgabe des Vyšehrader Kapitels. Wahrscheinlich ruht in ihm einer meiner fernen Vorfahren — Vratislav, der Erste von uns, der eine Königskrone trug, oder sein Sohn Soběslav. Niemand weiß es mehr gewiss. Der Name ging verloren; der Stein ist geblieben.
Um den Sarg herum können Sie vier Gesichter sehen, die Beschützer dieses Landes. Unter ihnen ist auch mein Namensvetter. So wie einst für mich, bleiben sie auch für Sie stets die Landespatrone — und genau deshalb darf ich Ihnen heute über diesem denkwürdigen Stein begegnen.